Interview mit Tobias über Inspiration und Handwerk

Passion für Kontraste

Tobias Tröndle gehört in der Friseurbranche zur internationalen Elite. Sein Lebenslauf weist bekannte Stationen und Auszeichnungen auf. So ging Tröndle aus der Weltmeisterschaft der Friseure einmal als Sieger hervor. Im Interview spricht er über sein Handwerk und die erforderliche Inspiration.

Journal Frankfurt: Herr Tröndle, Sie haben lange in New York gelebt und auf der 5th Avenue bei Frédéric Fekkai sowie bei Bumble and Bumble gearbeitet. Was haben Sie aus dieser Zeit nach Frankfurt mitgebracht?
Tobias Tröndle: „Mein Aufenthalt am Big Apple ist sehr aufregend gewesen. Denn zu dieser Zeit wurde in genau diesen Salons das sogenannte Painting entwickelt – also das freihändige Färben mit einem Pinsel. Dadurch sind vollkommen neue Möglichkeiten entstanden, die etwa dem Balayage ähneln. Neben dieser Technik habe ich den Messerschnitt mit in meinem Salon gebracht. Dadurch lassen sich nicht nur strukturreiche Kurzhaarschnitte für Frauen und Männer realisieren, sondern auch weichfließende Langhaar-Looks.“

Wenn die Painting und Balayage sich ähneln, worin besteht dann der Unterschied?
„Obwohl es für beide Techniken einen Pinsel braucht, wird beim Painting flächiger und etwas weicher fließend als beim Balayage gemalt. Je nach Wunsch und Haarstruktur kann ich das eine oder andere Verfahren verwenden, sie aber auch miteinander kombinieren. Painting bevorzuge ich für natürliche Farbverläufe und softe Ombre-Looks, Balayage dagegen für ausdrucksstarke Farben und spannende Reflexe.“

In diesem Sommer liegen Blondtöne im Trend. Welche Farben erwarten uns im Herbst?
„Unabhängig von Trends haben sich das klassische Blond und Braun dahingehend verändert, dass sie heute mit High-, Low- oder Babylights veredelt werden. Wie immer zum Herbst hin werden die Farben auch dieses Jahr gesetzter. So sind in sich changierende Brauntöne im Kommen. Außerdem gibt es weniger unifarbene als vielmehr strähnenreiche Looks. Bei den Blondtönen werden Karamell und Beige eine wichtige Rolle spielen.“

Senkrecht hochstehende Zöpfe oder Blütenarrangements in den Haaren – mit Ihren Fashion-Stylings etwa auf den Shows von Lala Berlin oder Marina Hoermanseder zeigen Sie auch sehr ausgefallene Frisuren. Haben Kundinnen wirklich den Mut, so auszugehen?
„Nein oder zumindest ist es mir bisher nicht bekannt. Doch ich liebe Kontraste, und die Avantgarde bietet mit die Möglichkeit, neue Ideen und Techniken ausprobieren und zu übertreiben. Die somit gesammelten Erfahrungen lasse ich in abgeschwächter Form in meine Salonarbeiten einfließen. Auch die klassischen Bob- oder Langhaarfrisuren profitieren immer wieder durch die in der Avantgarde entwickelten und erprobten Techniken.“

Sie haben an vielen spannenden Events teilgenommen und prominente Köpfe aus dem Showbiz gestylt. Wer ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
„Bei Schauspielern und Musikern möchte ich nicht aus dem Nähkästchen plaudern, da mich einige im Salon besuchen oder auch für Sets buchen. Was allerdings kein Geheimnis ist und wen ich menschlich und künstlerisch sehr schätze, ist Depeche Mode. Seit etwa zehn Jahren style ich Martin Gore und die Band bei ihren Besuchen in Deutschland.“

Und wie sieht mit Personen der Modebranche aus ?
„Beeindruckt war ich beispielsweise von Toni Garn. Ich hatte einen Auftrag von Michalsky bei der Berliner Fashion Week, und es war ein turbulenter Tag. Der Ablauf änderte sich, die Zeit zum Stylen wurde halbiert, und Toni musste trotzdem noch ein Interview geben. Andere Models können da anstrengend werden, sie aber war so ruhig und professionell, dass alles geklappt hat und sie sprichwörtlich auf die Sekunde pünktlich den Catwalk betrat.“

Als Global Creative Artist von Wella sind Sie dafür bekannt, immer neue Trends zu schaffen. Was dient Ihnen als Inspirationsquelle?
„Inspiration ist für mich die Summe vieler Quellen. Zum Beispiel sind einige Blogger durch ihre Fülle an kreativen Ideen inspirierend. Ebenso jemand am Nebentisch in einem altmodischen Pariser Straßencafé. Mir gefällt es, auf meinen Reisen den Wandel der Stile in den verschiedenen Metropolen zu beobachten. Und ich mag Kunst in jeder Form, von Malerei bis Architektur. Eine moderne Skulptur mit abstrakten Formen kann mich genauso dazu anregen, immer wieder Neues auszuprobieren und Klassisches zu verfeinern. Ich liebe Kontraste und die zahllosen Möglichkeiten, die meine Passion mit sich bringt.“

Quelle: Journal Frankfurt https://www.journal-frankfurt.de/

Passion für Kontraste - Interview im Journal Frankfurt
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